Daniel (31), Schriftsteller, aus Wien empfiehlt „The Flamethrowers“ von Rachel Kushner.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
In den 70ern begegnet Reno, eine junge Künstlerin und Motorradfahrerin, dem Wahnsinn der Kunstszene New Yorks und dem Wahnsinn des linken Terrorismus in Italien. Kunst und Motorräder und Terror: vom Arbeiterelend in der Reifenfabrik zur Land-Art mit Bikes, finanziert durch Geld aus der Gummiindustrie; Rennfahrer, Streiks und Gewalt. Dazu die Anfänge von Ismen und Aktionen und Katastrophen, und Italien im 20. Jahrhundert.

Erzählt, als gäbe es eine Folgerichtigkeit für jeden Irrsinn. Mit Verachtung, aber auch Faszination für den Reichtum, mit Begeisterung für das Visionäre und auch Ekel davor. Aus den Perspektiven vieler Beteiligter, aber mit einer klaren Stimme. (Sowas sollte am Umschlag stehen.)

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
The Flamethrowers stellt Fragen, mehr als es beantwortet, aber mit soviel swag, dass man fast wieder an Ideale glauben könnte. (Wann startet jemand eine Revolution?!)

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Vielleicht die Traurigkeit darüber, dass einen weder die Politik noch die Kunst vor einem selbst und den anderen bewahren können – oder: Begeisterung, was so ein Roman/Leben doch sein kann.

4. Was ist Dein Lieblingszitat?
Es gibt Seite um Seite wunderbar gemachte Sätze, eindrückliche Bilder, schneidende Satire, lebendigen Dialog, aber immer im Dienst der Geschichte. Was mich überzeugt hat, war die Überschrift des ersten Kapitels: „He killed him with a motor bike headlamp (what he had in his hand).“

Rachel Kushner. The Flamethrowers. 2013