Sandra (28), Studentin, aus Wien empfiehlt „Herr Palomar“ von Italo Calvino.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
Ich begleite Herrn Palomar in die Ferien, in den Garten, in den Zoo, beim Einkaufen von Gänseschmalz, beim Betrachten der Gestirne und beim Meditieren. Dabei folge ich seinem Gedankenfluss. Scheinbar spontane Eindrücke münden in scharfsinnige Essays über Mensch und Kultur und enden nicht selten mit einer ungeahnten Wende, die alles nochmal in Frage stellt.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Herr Palomars Gedankengänge über alltägliche Dinge mögen mitunter banal, absurd oder grotesk wirken. Doch jede Kurzgeschichte eröffnet ein kleines Universum, in dem sie die Konventionen des Wahrnehmbaren umstößt. Die Beobachtungen und Beschreibungen in präzis pointierter Sprache verzaubern und verblüffen, sind schlüssig und sonderbar zugleich.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Unmittelbar bleibt ein Lächeln auf den Lippen, das für Sympathie für den Protagonisten und sein Unbehagen gegenüber der Menschheit steht. Längerfristig bleiben Erinnerungen an Herrn Palomars Erlebnisse als wären es die eigenen. Wie schön, dass man dann die Gelegenheit hat, das Buch kurzerhand aufzuschlagen und sie nachzulesen!

4. Was ist Dein Lieblingszitat?
„Er macht kehrt und naht sich entschlossenen Schrittes noch einmal der Frau in der Sonne. Diesmal wird sein unstet über die Landschaft schweifender Blick mit einer besonderen Aufmerksamkeit auf dem Busen verweilen, aber er wird sich beeilen, den Busen sogleich in eine Woge von Sympathie und Dankbarkeit für das Ganze einzubeziehen: für die Sonne und für den Himmel, für die gekrümmten Pinien, das Meer und den Sand, für die Düne, die Klippen, die Wolken, die Algen, für den Kosmos, der um jene zwei aureolengeschmückten Knospen kreist.“

Italo Calvino. Herr Palomar. 1985