Laura (28), Doktorandin, aus Wien und Innsbruck empfiehlt “Vernon Subutex” von Virginie Despentes.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
Vernon Subutex ist ein zweibändiges Wandern durch verschiedene Pariser Milieus der 2000er Jahre. Der gleichnamige Protagonist landet nach der Pleite seines Musikladens, seiner Delogierung einige Monate später und einer kurzen Phase als Hausgast verschiedener Bekannter einsam in der Gosse. Wäre nicht plötzlich ganz Paris auf der Suche nach dem Videovermächtnis seines berühmten Freunds Alex Bleach, würde es wohl keiner merken. So wird Vernon aber, abgehalftert und erleuchtet zugleich, Angelpunkt einer utopisch-skurrilen Aussteigergemeinschaft.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Vernon Subutex ist eine neo-realistische Punk Rock-Utopie auf mehr als 800 Seiten – eigentlich kein Grund, es lesen zu wollen. Könnte Virginie Despentes nicht wirklich gut komplexe Figuren erschaffen und deren Beziehungen zueinander nachzeichnen. Im Grunde geht es ums Abgeklärtwerden einer Reihe von Menschen, die einmal cool waren, nun aber damit kämpfen, dass weit jenseits der 30 Mittelmaß, Einsamkeit, Wirtschaftskrise, Bauchumfang und/oder ihre Ansprüche ihnen die Grenzen ihrer Selbstbilder aufzeigen. Despentes stellt ihre Figuren aber nicht nur bloß, ihre Satire begleitet sie mit Liebe zum Detail und Verständnis für ihr Scheitern.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Ein verstörtes Schmunzeln.

4. An welchem Ort hast du das Buch überwiegend gelesen?
Der erste Band war Tagungsbegleitung und ist unter anderem schuld daran, dass ich zu wenig sozialisierte. Seine Knitterfalten hat er vom Finale auf der Wiener Donauinsel, während dessen der (schöne!) Schutzumschlag zu Hause geschützt wurde. Mittlerweile aber von liebevoller Hand zurückgebügelt.

Virginie Despentes. Vernon Subutex. 2015