Sabine (28), Doktorandin, aus Wien empfiehlt „Zurück zum Feuer“ von Saskia Hennig von Lange.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
Drei Menschen versuchen angestrengt, an der Wirklichkeit festzuhalten: Ein Sachverständiger möchte endlich das Haus der Box-Legende Max Schmeling begutachten und verirrt sich dabei im Gerümpel und in den Gedanken an seinen überraschend verstorbenen Sohn. Er gibt dabei aber sich selbst gegenüber weiterhin vor, sinnvoll vorzugehen. Seine Frau zu Hause wird des Wartens und der Spuren ihres Sohnes überdrüssig und beginnt, die Wohnung methodisch und zielgerichtet auszuräumen. Und schließlich ist da noch Max Schmeling, der in seinem Bett auf das Sterben wartet.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
In einer präzisen, immer wieder atemlosen Sprache zeigt der Roman radikale Denkprozesse und Gefühle und lässt die – objektiv betrachtet absurden Handlungen – der Figuren als klar und nachvollziehbar erscheinen. Man sieht und spürt das Auseinandergleiten der Tage, das Abkratzen von Tapetenstreifen mit bloßen Fingern und das Stolpern über alte Treppen.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Die Angst vor dem wilden Tier im Dunkeln, das schnaubend immer näher kommt, ganz gleich, wie präzise, wie logisch man vorgeht – das bleibt als Erinnerung zurück.

4. An welchem Ort hast du das Buch überwiegend gelesen?
Ich lag auf dem Metallbett in einem vier Meter hohen Untermietzimmer in der deutschen Provinz, zwischen den ordentlichen, weißen Ikea-Möbeln meiner griechischen Kollegin, von der ich das Zimmer für ein paar Wochen gemietet hatte. Draußen vor dem Fenster gröhlten die betrunkenen Bachelorstudenten, die auf dem Platz vor dem Unihauptgebäude jeden Abend Party machten, und nebenan hörte der albanische Möbelpacker sehr laut Charts-Musik zum Hanteln stemmen und vermutlich auch zum Sex. Da erschien mir ein modriges Haus im Wald wesentlich realer.

Saskia Hennig von Lange. Zurück zum Feuer. 2014.