Michael (40), Landschaftsplaner, aus Wien empfiehlt „Der Name der Rose“ von Umberto Eco.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
Der Name der Rose beschreibt das einmal mehr, mal weniger spektakuläre Klosterleben im spätmittelalterlichen Norditalien. Eco versteht es dabei, alltägliche Dinge fast nebenbei zu erzählen – aber sie werden eben erzählt und sie sind essentiell dafür, dass man Teil dieser Geschichte wird, man wahrlich selbst dabei ist. Das hat mich fasziniert. Die einzelnen („spektakulären“) Handlungsstränge wie die ermordeten Mönche, die Debatte um die Armut der Kirche, die Verliebtheit des Novizen oder die Inquisition mit ihren Verbrennungen sind dabei so geschickt verwoben, dass man sich ihnen kaum mehr entziehen kann.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Mich hat an diesem Roman, auf den ich übrigens erst durch dessen Verfilmung (im Alter von 15 Jahren) gestoßen bin, besonders die Historie gepackt. Ecos Sprache hat mich sofort eintauchen lassen in den November 1327. Die Geschichte, die Eco um die prägnanten Charaktere webt, hat mich in den Bann gezogen, auch wenn ich sagen muss, dass sich mir manche Passagen, in denen er etwa historische Texte und Bücher zitiert, damals eher schwer erschlossen haben. Diese Stellen kann man aber getrost überblättern, ohne den Faden zu verlieren. Ich empfehle dieses Buch allen, die historisch (und nicht nur kirchenhistorisch) interessiert sind, die aber (vorerst) kein Geschichtsbuch lesen wollen. Es vermittelt einen sehr lebhaften Eindruck des spätmittelalterlichen (Kloster-)Lebens.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich das Buch das erste Mal zuschlug. Ich war traurig, wünschte mir ein anderes Ende, in dem sich die Charaktere später noch einmal begegneten, in dem man erfährt, wie es den Einzelnen ergangen, was aus ihnen geworden ist. Und ich hatte Sehnsucht einzutauchen in diese wenn auch nicht sehr angenehm erscheinende Zeit, um selbst Fragen stellen zu können, einzelne Charaktere zu treffen, um vielleicht den Ausgang des Buches oder die Geschichte etwas zu verändern.

4. Was ist Deine Lieblingspassage?
Meine „Lieblingspassage“ in diesem Buch ist der Plan der Abtei, in der die Geschichte spielt. Lange und oft habe ich diesen Grundriss betrachtet, bin eingetaucht in die Zeit, die Gebäude vor Augen: der riesige Turm, der die Bibliothek/das Labyrinth beherbergt, mit seinem ungewöhnlichen Grundriss, und die anderen kleinen Gebäude, die ein Klosterleben erfordert, die Kirche im Zentrum. All das regte meine Phantasie an und die detailverliebte Sprache Ecos förderte sie.

Umberto Eco. Der Name der Rose. 1980