Max (28), Ingenieur, aus Innsbruck empfiehlt „Die Reise nach Petuschki“ von Wenedikt Jerofejew.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
Es geht um den Autor selbst, der Held dieser Erzählung heißt Wenedikt Jerofejew. Er möchte von Moskau nach Petuschki fahren, weil dort seine Geliebte auf ihn wartet. Der Alkoholiker wird während seiner Reise immer betrunkener, er durchlebt ein Delirium, gegen Ende hin gleitet die Handlung ins Surreale ab. Jerofejew plaudert mit seinen Reisegefährten über Gott und die Welt. Diese Gespräche sind aberwitzig, sie drehen sich um Gestalten aus der Weltliteratur, aus der Mythologie und um ganz Alltägliches. Die Kapitel des Buchs sind nach den Stationen von Jerofejews Fahrt gegliedert, auf jeder Wegstrecke geschehen ungeheuerliche Dinge. Letztlich ist die „Reise nach Petuschki“ eine Parabel auf den Zustand der Sowjetunion, die als ein Volk schwermütiger Trinker erscheint.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Weil Weltliteratur selten in so unterhaltsamer Form daherkommt. Das Buch ist nicht nur voller Anspielungen auf die Literaturgeschichte, die ins Absurde abdriften, sondern es nähert sich auch einem ernsten Thema, dem der Trunksucht, mit unglaublichem Humor. Dieses Lesevergnügen ist vor allem der genialen Übersetzungsarbeit von Natascha Spitz aus den 1970er Jahren zu verdanken.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Es bleibt die Bewunderung für einen Autor, der in seinem Leben nur sehr wenig Literatur geschrieben hat, der seinen Unterhalt als Gelegenheitsarbeiter verdiente und dessen Buch „Die Reise nach Petuschki“ in der Sowjetunion nur im sogenannten Samizdat (Selbstverlag im Untergrund) erscheinen konnte.

4. Was ist Dein Lieblingszitat?
„Alle sagen: der Kreml, der Kreml. Alle haben mir von ihm erzählt, aber selbst habe ich ihn kein einziges Mal gesehen. Wie viele Male schon (tausende Male) habe ich im Rausch oder danach mit brummendem Schädel Moskau durchquert, von Norden nach Süden, von Westen nach Osten, aufs Geratewohl, von einem Ende zum andern, aber den Kreml habe ich kein einziges Mal gesehen.“

Wenedikt Jerofejew. Die Reise nach Petuschki. Ein Poem. 1973