Pia (34), Schauspielerin, aus Wien empfiehlt „1Q84“ von Haruki Murakami.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
Es geht um die wahre Liebe, um die Suche nach dem einen Menschen, der deine Seele komplettiert. Aomame taucht eines Tages unwillentlich in eine Parallelwelt ein. Die Wirklichkeit scheint ver-rückt und am Nachthimmel leuchten plötzlich zwei Monde. Eine Sekte, kleine böse Fabelwesen, die eine Puppe aus Luft spinnen, Mother and Daughter, ein Guru, den Aomame töten soll. Aomame sucht schon ihr ganzes Erwachsenenleben lang nach Tengo. Die junge Frau hat Tengo in der Schule kennengelernt. Als sie sich das erste Mal berührten, schlug ein Blitz in beide ein. Sie verloren sich aus den Augen, aber beide haben ihre Begegnung nie vergessen. „1Q84“ handelt von Träumern, die ihren Weg im doppelten Mondlicht finden und die Morgendämmerung vor dem Rest der Welt sehen.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Murakami schreibt wie kein anderer über seelische Zustände. Ich habe viele Bücher von ihm gelesen. Die Trilogie „1Q84“ ist meiner Meinung nach sein Meisterwerk. Es erinnert an Javier Marias „Mein Herz so weiß“: Auch Murakami verwendet repetitive Sequenzen in einem gekonnten Stil. Wie in einer Symphonie, in der Hauptthema und Nebenthemen variiert werden. Murakami ist für mich der Autor, der am besten psychische Verfasstheiten und mentale Extremsituationen beschreibt. Er erzählt von der Grenze zwischen Tod und Leben, zwischen Wahnsinn und Realität, zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Ist Liebe eine psychische Krankheit? Nein, ich denke, Verliebtsein kann einer Positivpsychose sehr ähnlich sein.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Die Lust nach mehr: mehr Murakami, mehr unendliche Liebe, mehr Seelenverwandtschaft, mehr wunderbare Geschichten.

4. An welchem Ort hast du das Buch überwiegend gelesen?
Ich habe die Trilogie in der Straßenbahn auf dem Weg in die Arbeit gelesen. Ich konnte es immer kaum erwarten, endlich wieder in die phantastische Welt von Tengo und Aomame zu tauchen. Die Fahrt in die Arbeit konnte nicht lang genug sein. Zweimal bin ich bis an die Endhaltestelle gefahren und wieder zurück zu meiner Station, so vertieft war ich in dieses Werk. Was für andere „Der Herr der Ringe“ ist, ist für mich „1Q84“. Wer einmal Blut geleckt hat an Murakami, den lässt diese Sucht nicht mehr los.

Haruki Murakami. 1Q84. 2009/2010.