Christina (25), IT-Support, aus Salzburg empfiehlt „Golem und Dschinn“ von Helene Wecker.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
An und für sich wird dieses Buch als „historischer“ Roman kategorisiert. Das stimmt natürlich in erster Linie, spielt sich die Handlung doch meist im New York des Jahres 1899 ab. Allerdings hat die Geschichte sehr viele fantastische Einschläge (und ich sage bewusst „fantastisch“ und nicht Fantasy), die dafür sorgen, dass es zu weit mehr wird als einem gewöhnlichen historischen Roman. Hauptfiguren sind – wie dem Titel zu entnehmen – ein gerade erst zum Leben erweckter Golem und ein aus der Flasche entflohener Dschinn. Diese Aufstellung mag sonderbar anmuten und auch ich selbst war zunächst ein wenig verhalten. Doch der Versuch der beiden Figuren, in der für sie unbekannten Welt Fuß zu fassen, ist in jeder Hinsicht lesenswert und weit entfernt von gewöhnlicher Spannungsjagd des Fantasy-Genres.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Angesichts der Figurenauftstellung hätte ich zunächst mit einem eher spannungsgeladenen Buch gerechnet, doch die Autorin setzt vielmehr auf die Stimmungen ihrer Charaktere und gibt ihnen genügend Zeit sich zu entwickeln. Dabei ist ihr Schreibstil derart einfühlsam und weit entfernt von Kitsch oder ungeschickter Fantasy, dass er mich sofort in den Bann ziehen konnte. Trotz des langsamen Aufbaus fand ich ich die Geschichte zu keinem Zeitpunkt langweilig und habe mich nach der Arbeit immer sehr gefreut, wenn ich es weiter lesen konnte. Wider Erwarten steckte dieses Buch zudem voller realistischer Konflikte und sorgte mit seinen melancholischen Figuren für eine ganz besondere Lesestimmung, die es für mich letztlich zu einer wundervollen Lektüre werden ließ.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Ein gewisser Hauch von Traurigkeit und trotzdem das glückliche Gefühl, dass dieses Buch genauso geendet hat, wie es die Geschichte verdient.

4. Wann bist du dem Buch zum ersten Mal begegnet?
Zum ersten Mal wurde ich auf dieses Buch aufmerksam, als es kurz vor dem Erscheinen stand und mir per E-Mail vom Verlag empfohlen wurde (ich bekomme wöchentlich dutzende Newsletter dieser Art). Zwar fand ich damals schon die Aufstellung recht interessant, allerdings dachte ich mir, dass die Kombination aus historischer Erzählung und Charaktere der üblichen Fantasy eher nicht funktionieren dürfte. So wanderte es zu den vielen Büchern meiner „kopfinternen“ Wunschliste und wurde zunächst nicht weiter beachtet. Erst als ich zufällig wieder auf das Hörbuch stieß – das ich übrigens trotz Kürzung ebenfalls SEHR empfehlen kann – legte ich mir schließlich auch das Buch noch zu.

Helene Wecker. Golem und Dschinn. 2013