Isabel (33), Schriftstellerin, aus Hamburg empfiehlt „Ulysses“ von James Joyce.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
Leopold Bloom und Stephen Dedalus spazieren, smalltalken, trinken, lieben und leben in Dublin. Am 16. Juni 1904 dürfen wir sie begleiten. Es geht um Irland und irisches Selbstverständnis, um Religion und Politik, um Liebe und Sex. Es geht vor allem um all das, was in den Menschen passiert, während sie einen Tag in der Hauptstadt erleben. Die Handlung beschränkt sich auf bloße 24 Stunden, aber das, was in dieser relativ kurzen Zeit in den Köpfen der Protagonisten passiert – ihre Gedanken, Assoziationen und Erinnerungen – füllt dennoch locker tausend Seiten, ohne jemals langweilig oder gewöhnlich zu werden.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Weil es das erste war, in dem das Stilmittel des Bewusstseinsstroms konsequent durchgehalten wurde und alles so geschrieben steht, wie es die Figuren denken oder fühlen. Weil Joyce ein fantastischer Schriftsteller und faszinierender Mensch war. Weil dem Werk damals Obszönität vorgeworfen und es später als Weltliteratur anerkannt wurde. Weil Joyce sagte „Ich habe so viele Rätsel und Geheimnisse hineingesteckt, dass es die Professoren Jahrhunderte lang in Streit darüber halten wird, was ich wohl gemeint habe, und nur so sichert man sich seine Unsterblichkeit“ und weil jeder, der das Rätseln und Interpretieren liebt, Ulysses verschlingen und Joyce weiterhin zur Unsterblichkeit verhelfen wird.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Herzklopfende Joyce-Verknalltheit, offenmundiges Staunen und Lust zu schreiben.

4. Was ist Dein Lieblingszitat?
„(…) und ich hab ihn mit den Augen gebeten er soll doch nochmal fragen ja und dann hat er mich gefragt ob ich will ja sag ja meine Bergblume und ich hab ihm zuerst die Arme um den Hals gelegt und ihn zu mir niedergezogen dass er meine Brüste fühlen konnte wie sie dufteten ja und das Herz ging ihm wie verrückt und ich hab ja gesagt ja ich will Ja.“

James Joyce. Ulysses. 1922