Lilo (26), Studentin, aus Wien empfiehlt „Die Waffen nieder!“ von Bertha von Suttner.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
Dieser Roman schildert das Leben der Gräfin Martha Althaus, die Mitte des 19.Jahrhunderts nahezu alle Menschen, die ihr nahestehen, durch Kriege verliert. Aufgrund dieser traumatischen Erlebnisse beginnt sich Martha gegen den Krieg einzusetzen und beschäftigt sich eingehend mit AutorInnen, die sich diesem Thema ebenfalls widmen. Ihre Schilderungen aus der Ich-Perspektive werden so zu einem glühenden pazifistischen Manifest.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Bertha von Suttner hat diesen Roman vor den beiden großen Weltkriegen verfasst und auf so kluge Weise vor diesen gewarnt. Als LeserIn erscheint es an manchen Stellen unfassbar, was diese Frau vorausgesehen hat. Die Frage nach dem Sinn von Krieg – eigentlich vielmehr die Feststellung seiner Sinnlosigkeit – bildet den roten Faden Marthas Biographie. Im historischen Kontext betrachtet, sind diese intelligenten und mutigen Schilderungen einer Frau und ihrer Perspektive auf die maskuline Welt des Krieges revolutionär.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Obwohl die traurige Erkenntnis, dass Kriege trotz ihrer Sinnlosigkeit weiterhin existieren, beim Zuklappen des Buches bleibt, hat es Bertha von Suttner meiner Meinung nach geschafft, die GegnerInnen des Krieges durch ihre klare Sprache in ihren pazifistischen Bestrebungen zu bestärken und all jenen, die sich mit diesem Thema noch nicht befasst haben, die Grausamkeit eines Krieges vor Augen zu führen. Gerade angesichts gegenwärtiger Ereignisse leistet dieses Buch einen enorm wichtigen Beitrag, denn es zeigt einmal mehr, WOVOR Menschen aus einem Kriegsgebiet flüchten.

4. Was ist Deine Lieblingspassage?
Der Zufälligkeiten von Krankheit und Tod, von Feuersbrunst und Überschwemmungen – kurz, der Natur- und Elementardrohungen gibt es genug; aber man hat sich gewöhnt, nicht mehr daran zu denken, und lebt trotz dieser Gefahren in einem gewissen Stabilitätsbewußtsein. Doch wozu haben die Menschen sich auch noch willkürlich selbst verhängte Gefahren geschaffen, und so den ohnehin vulkanischen Boden, auf den ihr Erdenglück gebaut ist, noch eigenmächtig und mutwillig in künstliches Schwanken versetzt! Zwar haben sich die Leute daran gewöhnt, auch den Krieg als Naturereignis zu betrachten und ihn als vertragsaufhebend in einer Linie mit Erdbeben und Wassersnot zu nennen – daher auch so wenig als möglich daran zu denken. Aber ich konnte mich in dieser Auffassung nicht mehr finden. Jene Frage: »Muß es denn sein?« von welcher einst Friedrich gesprochen, die hatte ich mir in bezug auf den Krieg oft mit »Nein« beantwortet; und statt Resignation empfand ich dann Schmerz und Groll – ich hätte ihnen allen zurufen wollen: „Tut es nicht! – tut es nicht!“.

Bertha von Suttner. Die Waffen nieder! 1889