Julia (34), Journalistin, aus Wien empfiehlt „Das bin doch ich“ von Thomas Glavinic.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
Ums Leben. Und was man da alles so erlebt, während man eigentlich versucht, seine „Karriereziele“ zu verfolgen und einen Roman erfolgreich zu publizieren. Und um Erwartungshaltungen und Gefühle wie etwa Neid seinem besten Freund gegenüber oder Selbstmitleid – „noch immer kein berühmter Schriftsteller, noch immer nicht reich, noch immer kein neuer Verlag“ . Aber auch darum, dass man wider besseres Wissen oft Dinge tut, die man eigentlich nicht so erstrebenswert findet. Wie beispielsweise zu viel Alkohol zu konsumieren und dann betrunken Emails zu verschicken, an die man sich am nächsten Tag nicht mehr erinnern kann. Dafür sind diese Dinge nur allzu menschlich. Ja, es geht ums Menschsein.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Abgesehen vom erfrischenden Inhalt vor allem, weil mir Thomas Glavinics Stil ausgesprochen gut gefallen hat. Das Buch liest sich flüssig mit pointierten Aussagen. Es ist kurzweilig und lädt doch zum Nachdenken ein. Außerdem hat es mich viele Male zum Lachen gebracht, weil ich mich nur allzu sehr im Protagonisten und seinen Verfehlungen wiedergefunden habe.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Der Wunsch, mehr von Thomas Glavinic zu lesen. Das ist mir bis dato nicht sonderlich gut gelungen. Aber das wird bestimmt noch.

4. Was ist Deine Lieblingspassage?
„Das Gefühl leichter Übelkeit wächst sich zur Gewissheit aus, mich bald übergeben zu müssen, und meine Verdauung spielt auch verrückt.
Ich renne aufs Klo. Erst stehen oder erst sitzen, was ist dringender? Sitzen.
Zugtoiletten gehören zu den widerlichsten Orten, und wenn ich öfter als zweimal auf einer gesessen habe, sollte es mich wundern. Jetzt gibt es kein Zögern mehr für mich, keine Zeit, die Brille mit Papier abzudecken, und um mich wie eine Frau hinzuhocken, bin ich plötzlich zu schwach.
Und so sitze ich da, meine Eingeweide spielen Apokalypse, mir ist zum Sterben übel, und der Zug schwankt so stark in den Kurven, daß ich nicht weiß, ob ich rechtzeitig hinten fertig werde, ehe es vorne losgeht.“

Thomas Glavinic. Das bin doch ich. 2007