Peter (61), Beamter, aus Wien empfiehlt „Winnie-the-Pooh“ von Alan Alexander Milne.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
Winnie-the-Pooh, „a bear of very little brain“, erlebt mit seinen Freunden – Christopher Robin, Piglet, Eeyore, Rabbit, Owl u.a. – Abenteuer im Hundred-Aker-Wood. Er folgt mit Piglet im Schnee seinen eigenen Spuren, bleibt, mit Honig vollgefressen, im Ausgang von Rabbits Höhle stecken, nimmt an einer „Expotition“ zum „Nordpol“ teil, fängt in einer Fallgrube ein „Heffalump“, sucht mit seinen Freunden Eeyores Schwanz…

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Ich empfehle dieses Buch (eigentlich die zwei Bücher, die Geschichten werden im zweiten Band „The House at Pooh Corner“ abgerundet), eben weil es ein „Kinderbuch“ ist, eines von der Art nämlich, das abhängig vom Alter auf verschiedenen Ebenen anspricht. Das Kind muss die komplexe Erzählstruktur nicht bemerken, um die Geschichten unterhaltsam zu finden. Erwachsene werden sie schätzen, insbesondere den Anfang, der erzählperspektivisch durchaus von Milnes Zeitgenossin Virginia Woolfe stammen könnte. Hier zeigt sich auch gleich die fast allgegenwärtige Selbstreflexivität; eines der Gedichte, die Pooh ersinnt, handelt etwa vom Verfassen von Gedichten.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Wann immer ich die letzten Sätze des zweiten Bandes lese, ergreift mich eine heftige Wehmut ob der verlorenen Paradiese in meinem Leben. Doch: „[I]n that enchanted place on top of the Forest a little boy and his Bear will always be playing.“ Und schlägt man die Bände von neuem auf, ist man wieder genau dort. Es kann kein Zufall sein, dass es in Jack Kerouacs „On the Road“ im letzten Absatz heißt: „[D]on’t you know that God is Pooh Bear?“

4. Was ist deine Lieblingspassage?
Meine Lieblingsstelle stammt aus dem 2. Kapitel des ersten Bandes, „In which Pooh goes visiting and gets into a tight place“. Seines dicken Bauchs wegen bleibt Pooh im Ausgang von Rabbits Haus stecken. Während der Hausherr an den nach innen ragenden Beinen seine Handtücher zum Trocknen aufhängt, bittet der Bär, man möge ihm zum Zeitvertreib vorlesen. „Würdest du dann bitte ein gehaltvolles Buch vorlesen, das einem Bären in starker Bedrängnis Hilfe und Trost spendet?“ (Übersetzung von Harry Rowohlt). Und in der dazugehörigen Illustration sieht man den Vorleser mit einer Fibel für Leseanfänger sitzen. Es handeln die Bücher nämlich auch von der Aneignung der Schrift.

Alan Alexander Milne. Winnie-the-Pooh. 1926