Henning (32), Musiker, aus Wien empfiehlt „Das scharlachrote Kampfhuhn. Kommissar Schneiders letzter Fall“ von Helge Schneider.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
Um eine fantastische Persiflage auf Kriminalromane. Die Hauptfigur, Kommissar Schneider, ist ebenso unbesiegbar wie altbacken, ebenso gewaltbereit wie absurd komisch. Ein Mord auf einem Bauernhof bildet den Auftakt für den zweiten Band der Reihe, der, auch wenn der Untertitel anderes suggeriert, nicht der letzte Fall des Kommissars ist.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Als Reminiszenz an die Jugend- und Schulzeit. In meiner Jugend gab es kaum einen Tag ohne Helge Schneider. Seine Hörspiele, Musik, Filme und Bücher waren beinahe täglich präsent. In der Schule warf ich als pubertierender Jugendlicher in der Hoffnung auf Lacher mit Helge-Zitaten um mich, zumeist blieben jedoch nur irritierte Gesichter von Mitschülern und Lehrern zurück. Ich erinnere mich auch noch an einen Schulausflug mit längerer Busfahrt, zu der ich den Film „00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter“ mitnahm. Der Busfahrer warf die DVD ein – was folgte war neunzigminütige Verstörung beim Großteil der Mitreisenden und am Ende des Tages trug ich endgültig den Bekloppten-Stempel auf der Stirn.

Diejenigen, die zu der Minderheit gehörten, über Helge lachen zu können, fühlten sich verbunden – man mochte sich schon alleine aus dem Grund. Die dies nicht taten, waren in unseren Augen humorbefreite Menschen. Später, während des Studiums, besuchte ich Live-Konzerte und wurde zum Hardcore-Fan. Mit dem Älter- und (hoffentlich) Reiferwerden entspannte sich die ganze Angelegenheit und so kann ich heute gut und laut über Helge lachen, zu Lachkrämpfen mit Atemnot wie damals reicht es allerdings nicht mehr.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Die große, große Frage: Was soll das?

4. Was ist deine Lieblingspassage?
Für mich als Musiker natürlich:
„Schnell, ein Bier aus dem Kühlschrank, er hat jetzt Durst. Schluck, Schluck, Schluck. Der Mann trinkt viel, er muß immer Bier trinken. Er schwitzt schon beim ersten Schluck und ist auch sofort besoffen. Hoffentlich merkt man das nicht auf seiner Arbeitsstelle, er ist Musiker in einem Orchester. Der Orchesterchef hat neulich schon gesagt: ‚Wenn ich Sie noch einmal erwische, fliegen Sie raus!‘ Das hat gesessen. Trotzdem hat der Mann Durst. Heute wird erst abends gearbeitet. In der Oper wird etwas uraufgeführt. Der Mann weiß gar nicht, was. Er spielt Streichbaß, da fällt das ja keinem auf, wenn er nur so da drauf rumgeigt. Ihm ist sowieso alles egal.“

Helge Schneider. Das scharlachrote Kampfhuhn. Kommissar Schneiders letzter Fall. 1995