Felix (26), Student, aus Turku empfiehlt „Unknown Soldiers“ von Väinö Linna

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
Es geht um Krieg und die Reaktion der menschlichen Seele auf diesen. Das Buch kann wohl gewissermaßen als zeitlos betrachtet werden, da es einen tiefen, beeindruckenden Einblick in die menschliche Natur gibt, wenn diese auf ein fast unerträgliches Ausmaß an Brutalität, Leid und Sinnlosigkeit während eines Krieges trifft. Das Buch erinnert daran, warum es eines der höchsten Güter in unserer Gesellschaft sein sollte, radikalen, antidemokratischen Strömungen und ihrer hasserfüllten nationalistischen Politik mit aller Macht zu begegnen.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Das Buch spielt im Zweiten Weltkrieg und folgt einer Truppe von Maschinengewehr-Schützen der finnischen Armee im Kriegseinsatz gegen die Armee der Sowjetunion. Das Buch beschreibt
durchaus den Verlauf des Kriegs, taucht jedoch vor allem sehr tief in die Gedankenwelten von Menschen ein. Wie verändern sich Menschen, wenn sie mit Krieg konfrontiert sind? Was macht die ständige Präsenz des Todes mit den Seelen junger Menschen? Wie absurd kommt diesen jungen Soldaten die patriotisch-nationalistische Propaganda über den „Glanz der Ehre in der Schlacht zu sterben“ nach dem ersten Gemetzel vor? Väinö Linna beschreibt die Grausamkeit, die Heuchelei, die Absurdität und Sinnlosigkeit von Krieg so gut, wie es vielleicht nur Erich Maria Remarque vermochte.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Gedanken über Krieg und Menschen: Jeder Mensch, der noch nicht zu lange in dieser Welt lebt und es daher noch vermag die Verrücktheit und Sinnlosigkeit dieses Existieren nicht als Normalität wahrzunehmen, müsste sich wohl fragen: Warum gebietet diesem absurden Treiben niemand Einhalt?

4. Was ist deine Lieblingspassage?
„People in the winter of life may have souls, but a soldier has nothing of the kind. Anybody who
had such a thing would have had it anaesthetized as quickly as possible. No, the deep-set eyes
above their chapped, stubbly cheeks revealed only animals, sly and ferocious, trying to hang onto two things: their positions and their dear lives.“

Väinö Linna. Unknown Soldiers. 1954

Foto: Erik Backman