Hemma (32), Köchin, aus Wien empfiehlt „Aussichten sind überschätzt“ von Rosemarie Poiarkov.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
Während im Wien des 21. Jahrunderts Luise und Julia versuchen, mehr über eine alte Tonaufnahme aus dem Jahr 1903 herauszufinden, um das Leben der unbekannten jungen Frau, die damals lachend auf die Tonwalz sprach, rekonstruieren zu können, nehmen die LeserInnen als „stille MithörerInnen“ am Leben der ProtagonistInnen, ihrer Freunde und Familie teil. Das plötzliche Verliebtsein, ob in eine alte Tonwalze oder eine spontane Bekanntschaft, Gedankengänge, Ideen, Gefühle, Unsicherheiten, Ratlosigkeiten – Rosemarie Poiarkov eröffnet sanfte Einblicke in ihre Figuren, die in kurzen Episoden wiedergegeben werden.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Weil man das Gefühl hat, kurzzeitig in den Köpfen anderer Menschen zu stecken und lauschen zu dürfen. Gerade für WienerInnen ist das Buch, denke ich, noch einmal besonders spannend, da man die Straßen und Orte, die in dem Buch beschrieben werden, direkt vor seinem geistigen Auge hat und vielleicht sogar erst gestern selbst den Weg entlanglief, den gerade eine der Personen beschreitet.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Gedankenspinnereien, wie die Geschichten weitergehen könnten, und die Erkenntnis, dass alle Menschen, denen man täglich begegnet, im Endeffekt oftmals ähnliche Gedanken, Sorgen und Freuden haben, wie man selbst.

4. An welchem Ort hast du das Buch überwiegend gelesen?
Auf meinem Balkon, die letzten warmen Herbsttage, Aussichten und Einsichten genießend.

Rosemarie Poiarkov. Aussichten sind überschätzt. 2017