Tino (34), wissenschaftlicher Mitarbeiter, aus Wien empfiehlt „Ruf mich bei deinem Namen“ von André Aciman.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
Das Buch beschreibt eine Art sentimentale Reise des Ich-Erzählers Elio in seine eigene Vergangenheit. Während seiner Jugend in den 80er Jahren empfangen seine Eltern alljährlich einen ausländischen Gastwissenschaftler für einige Wochen in ihrer Sommerresidenz an der italienischen Riviera. Selbst erst 17, lernt er auf diese Weise den 24-jährigen Harvard-Absolventen Oliver kennen, zu dem er sich mehr und mehr hingezogen fühlt. Im Verlauf seines Aufenthalts wird sich zeigen, dass Oliver ähnlich empfindet. Doch wie jede vernünftige Liebesgeschichte endet auch diese nicht mit einem Happy End.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Empfehlen möchte ich das Buch vor allem denjenigen, denen der homoerotische Inhalt in irgendeiner Weise nahesteht und die noch vor dem Internet und diversen Dating-Apps zu sexueller Reife gefunden haben. Was dem Autor ausgesprochen gut gelingt, ist, die jugendlichen Unsicherheiten, Wünsche und Sehnsüchte des Erzählers einzufangen, der in der Hitze Italiens sein gleichgeschlechtliches Begehren entdeckt und erkundet.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Das Buch ist sprachlich/stilistisch mitunter überladen, schwülstig und überschreitet oft genug die Grenze zum Kitsch. Und noch während man sich darüber ärgert, kippt man heftig in die Geschichte hinein, liest hastig weiter und schwelgt sentimental bis peinlich in Erinnerungen an die eigene Jugend. Hach…

4. Was ist deine Lieblingspassage?
Die zwei leicht angeschnöselten Protagonisten des Buches unterhalten sich in einem fort über intellektuellen Krimskrams wie Musik, Literatur und Philosophie. Dabei giert man beim Lesen eigentlich permanent nach Handfestem! So richtig „juicy“ wird es dann endlich in einer nächtlichen Episode, in der sich Elio in Abwesenheit des Geliebten dem Beischlaf mit einem Pfirsich hingibt. Das Corpus Delicti wird im Anschluss genüsslich von Oliver verzehrt. Guten Appetit!

5. Wann bist du dem Buch zum ersten Mal begegnet bzw. wiederbegegnet?
Das Buch ist mir in der Vergangenheit gleich mehrfach begegnet. Schon kurz nach Erscheinen der deutschen Ausgabe wurde es mir von einem Berliner Freund empfohlen, für den – so meine ich mich zu erinnern – vor allem der Altersunterschied der zwei Hauptfiguren ein Thema war. Sehr viel später machte mich eine Sommerromanze (na sag bloß?!) aus Budapest darauf aufmerksam und schenkte mir seine englischsprachige Ausgabe. Vermutlich lag es auch am unsagbar hässlichen Cover von „Call me by your name“, dass ich mich zunächst nicht dafür begeistern konnte. Aufgrund der anstehenden Verfilmung habe ich es dann nochmal versucht, diesmal aber auf Deutsch, mit den schönen Songs von Sufjan Stevens im Ohr, geschrieben für den Soundtrack des Films.

André Aciman. Ruf mich bei deinem Namen. 2007