Christian (35), Beamter, aus Dortmund empfiehlt „Vater des Regens“ von Lily King.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
Lily King erzählt von der fesselnden Liebe einer Tochter zu ihrem Vater und dem steten Ringen um dessen Achtung und Zuneigung. Trotz all seiner schlechten Eigenschaften (Alkoholiker, Rassist, Egozentriker) fühlt sich die Tochter in familiärer Verbundenheit stets zu ihrem Vater hingezogen und droht dabei selbst ihr persönliches Glück aus den Augen zu verlieren. Die Geschichte wird aus Sicht der Tochter erzählt und wir begleiten sie von ihrer frühen Kindheit bis zum Tod des Vaters.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Die Geschichte klingt zunächst nach einer weiteren banalen Eltern-Kind-Geschichte. Doch Lily King erzählt ihre Geschichte mit beeindruckendem Einfühlungsvermögen, viel emotionaler Wärme für ihre Figuren und einer außergewöhnlichen sprachlichen Eleganz. Es gelingt ihr, die Geschichte sowohl aus Sicht eines Kindes als auch einer erwachsenen Frau überzeugend zu erzählen. Die Figuren weisen alle eine überraschende Komplexität auf. Und nicht zuletzt, wird man prima von ihr unterhalten.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Es bleibt ein emotionales, melancholisches Echo, was mich noch einige Zeit über das Buch hat nachdenken lassen. Und es bleibt das Gefühl, ein richtig gutes und kluges Buch gelesen zu haben mit fantastischen Schilderungen zwischenmenschlicher Beziehungen in all ihrer Komplexität.

4. Wann bist du dem Buch zum ersten Mal begegnet?
Ich habe zuvor „Euphoria“ von der gleichen Autorin gelesen, was mir auch sehr gefiel. Ich erwartete einen deutlichen qualitativen Abfall im Vergleich zu „Euphoria“, was ja medial deutlich stärker wahrgenommen und gelobt wurde. Doch genau das Gegenteil war der Fall.

Lily King. Vater des Regens. 2016