Klaus, Informatiker, aus Wien empfiehlt „Im Westen nichts Neues. Graphic Novel“ von Peter Eickmeyer und Gaby van Borstel.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
„Im Westen nichts Neues“ zeigt den Ersten Weltkrieg aus der Sicht des anfangs 19-jährigen Jungen Paul Bäumer, der sich – wie so viele damals – freiwillig als Soldat meldet und an der Westfront mit den Realitäten des Krieges konfrontiert wird: Kameraden und (Schul-)freunde sterben wie die Fliegen, Lazarette, Verstümmelungen, seelische Qualen, Verlust des Bezuges zu seinem alten Leben und den ehemals engsten Menschen, Tod. Die Graphic Novel basiert auf einer gekürzten Fassung des Antikriegsromans.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Die Graphic-Novel-Adaption ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie sich Bild und Text gegenseitig bestärken können, ohne einander die Show zu stehlen. Großflächige Hintergrundbilder gepaart Personen, Situationen und Einzelaspekten harmonieren mit Textauszügen in Schreibmaschinenschrift, die das Gefühl der Historizität unterstreichen.

Eickmeyer wählte, wie eine Notiz am Ende des Buches verrät, die Maltechnik Gouache, d.h. er arbeitete mit Wasserfarben, Bindemitteln und Deckweiß, wodurch eine pastellartige Wirkung entsteht. Dazu grobe Pinselstriche und überwiegend Erdtonfarben, was die Bilder auf den ersten Blick fast wie alte Photographien wirken lässt.

Während die anfängliche Erinnerung des jungen Soldatens an sein alte Leben in bunten Farben gehalten ist, kommen die gedeckten Farben in den Fronterzählungen zum Einsatz. Auch beim Heimaturlaub wird weniges Bunt dominiert von den „Frontfarben“ – eine wunderbare Widerspieglung der inneren Distanzierung und Qual des Protagonisten.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Die Angst vor Krieg und der Grausamkeit und Dummheit der Menschen.

4. Was ist dein Lieblingszitat?
„Wir sind verlassen wie Kinder und erfahren wie alte Leute, wir sind roh und traurig und oberflächlich, – ich glaube, wir sind verloren.“
Großartig dazu die Zeichnung der im Nebel halb verschwindenden, halb heraustretenden Soldaten, deren von Gasmasken geschützten Gesichter bereits wie Totenköpfe aussehen.

Peter Eickmeyer und Gaby van Borstel. Im Westen nichts Neues. Eine Graphic Novel adaptiert nach dem Roman von Erich Maria Remarque. 2014